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Carl Gustav Jung, geb. am 26.07.1875 in Kesswil CH, gestorben am 06.06.1961 in Küsnacht.
Schweizer Psychologe/Mediziner und Begründer der Analytischen Psychologie
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Lesen Sie, was Carl Gustav Jung zum "Orakeln" mit dem I Ging (Yijing) schreibt
Schon bevor ich ihn (R. Wilhelm) kennenlernte, hatte ich mich mit östlicher Philosophie beschäftigt und hatte etwa 1920 angefangen, mit dem I Ging zu experimentieren. Es war während eines Sommers in Bollingen, als ich den Entschluß faßte, dem Rätsel dieses Buches auf den Leib zu rücken. Statt der Stengel der Schafgarbe, welche in der klassischen Methode verwandt werden, schnitt ich mir Schilfstengel. Da saß ich denn oft stundenlang unter dem hundertjährigen Birnbaum auf dem Boden, den I Ging neben mir, und übte die Technik in der Weise, daß ich die sich ergebenden "Orakel" aufeinander bezog wie in einem Frage- und Antwortspiel. Es ergaben sich dabei allerhand nicht zu leugnende Merkwürdigkeiten - sinnvolle Zusammenhänge mit meinen eigenen Gedankengängen, die ich mir nicht erklären konnte. Später nahm ich allerdings das Experiment so oft mit meinen Patienten vor, daß ich mich der relativ bedeutsamen Zahl der offensichtlichen Treffer versichern konnte.
Anfangs verwendete ich die umständlichere Technik der 49 Schafgarbenstengel, später, als ich einigen Überblick über das Funktionieren der Methode erlangt hatte, genügte mir das sogenannte Münzenorakel, von dem ich in der Folge reichlichen Gebrauch machte. Im Laufe der Zeit stellte es sich heraus, daß sozusagen regelmäßig gewisse Zusammenhänge zwischen der in Frage stehenden Situation und dem Inhalt der Hexagramme bestehen.
Wie viele psychische Phänomene zum Beispiel bezeichnen wir als "zufällig", wo der Wissende nur allzu deutlich sieht, daß es sich um nichts weniger als einen Zufall handelt! Ich erinnere nur an alle jene Fälle von Versprechen, Verlesen und Vergessen, die schon Freud als keineswegs zufällig aufgeklärt hat. Ich bin daher in bezug auf die sogenannten Zufallstreffer des I Ging zur Skepsis geneigt. Es scheint mir sogar, daß die Anzahl der deutlichen Treffer eine Prozentzahl erreicht, die weit über aller Wahrscheinlichkeit liegt. Ich glaube, daß es sich überhaupt nicht um Zufall, sondern um Regelmäßigkeit handelt.
Die Methode selber ist leicht und einfach. Die Schwierigkeit beginnt aber, wie schon gesagt, bei der Auswertung des Resultates. Vor allem ist das Verständnis der Symbolik auch mit Hilfe der trefflichen Kommentare Wilhelms keine ganz einfache Sache. Je mehr Kenntnisse der Leser in der Psychologie des Unbewußten besitzt, desto leichter wird ihm diese Arbeit fallen.
Auszugsweise aus: C.G. Jung und der östliche Weg, Walter Verlag 1997